Entlang der Nordküste
2. August 2004 – Beginn der Hinfahrt
Bereits die Anfahrt zur eigentlichen Abfahrt vom Jenaer Saalbahnhof gestaltet sich schwierig und nervenaufreibend. Niemals hätte ich geglaubt, dass gerade ein Stau auf der Autobahn uns in die Quere kommen und den Reisestart gefährden könnte. Nun gut, wir bzw. ich werden eines besseren belehrt. Trotz dass wir ausreichend früh losgefahren sind (mit vermeintlich genügend Zeitpuffer im Kofferraum) wird es dann doch etwas eng, weil sich die Auto- und LKW-Masse auf der Autobahn nur schwerfällig bis gar nicht vorwärts bewegen. Ein Ausweichmanöver auf die Landstraße entpuppte sich ebenfalls als aussichtslos, da bereits einige vor uns diesen Gedanken gehegt haben, und somit auch diesen einen Hoffnungsschimmer bereits durch einen weiteren Stau blockieren. Mehr oder weniger freudig geht es wieder auf die Autobahn zurück, wo die anderen Autos und LKWs schon auf uns warten. Erste Schubladenpläne werden ausgeheckt, für den Fall, dass wir es nicht mehr rechtzeitig schaffen würden. Mit 15 Minuten Verspätung kommen wir schließlich am Saalbahnhof in Jena an. Da steht jedoch kein Bus mehr - oder vielmehr da stand noch kein Bus, wie sich herausstellt. Denn nicht nur wir sind zu spät, sondern auch der Bus. Glück im Unglück nennt man so was! Kurze Zeit später erreicht aber auch dieser sein Ziel und unserer Reise steht zunächst erst mal nichts mehr im Wege.
Ja und dann ging es auf in Richtung Frankfurt. Dort trudeln wir gegen 21h00 ein. Nun heißt es eine Stunde auf den nächsten Bus warten, der uns dann nach Paris chauffieren wird. An Schlaf ist in dieser Nacht nicht zu denken. Gegen 7h00 am Morgen erreichen wir schließlich Paris.
Für einen kurzen Augenblick ist es wie bestellt und nicht abgeholt – Wir sind eben aus dem Bus gestiegen, haben unserer Rucksäcke in Empfang genommen und jetzt standen wir da, irgendwo am Rande von Paris morgens um 7h00. Dem Strom folgend erreichen wir ein paar Treppen abwärts die Metrostation. Von hier aus soll es weiter zum Gare de Montparnasse gehen. Einfacher gesagt als getan. Wir sind nicht die einzigsten die zu so früher Stunde versuchen mit ihrem Gepäck vom internationalen Busbahnhof wegzukommen. Und alle stellen wir uns die gleiche Frage: wie kommt man an das Ticket für die Metro? Denn ohne dieses kommt man gerade mal bis zu den Entwertungsautomaten und nicht weiter. Es gibt nur ein Problem: kein offener Fahrkartenschalter, nur ein Fahrkartenautomat und eine lange Schlange die vor selbigen wartet. Nach einer viertel Stunde erreichen auch wir endlich das Ende der Schlange, welche hinter uns noch lange nicht endet. Trotz der Unkenntnis über die Funktionsweise des Automaten sind die zwei Tickets dann doch recht schnell und unkompliziert gekauft. Nicht so angenehm empfinden wir allerdings die anschließende Fahrt mit der Metro. Seit etwa einer halben Stunde fahren wir quer durch die unterirdischen Straßen von Paris, mit einmal umsteigen und jeweils 10 Stationen, die wir passieren müssen. Hinzu kommt die warme, schwüle Luft, die schweren Rucksäcke auf dem Rücken und jede Menge andere Leute, die sich mit uns den Platz in der Metro teilen. Endlich da! am Gare de Montparnasse hatte das Leiden ein Ende. Gegen 7h45 trudeln wir endlich am Bahnhof ein. Am Fahrkartenschalter kaufen wir das Ticket für die Zugfahrt nach Saint Malo, welche kurz nach 8h00 beginnen sollte. Geschafft. Von nun an geht es etwas gemächlicher, bequemer und ruhiger weiter. Die zwei Plätze im TGV nach Rennes sind reserviert und warten nur noch darauf, dass wir endlich etwas von dem verlorenen Schlaf der vergangen Nacht nachholen.
Nach einem etwas längeren Zwischenstopp in Rennes geht es dann mit der Bummelbahn weiter in Richtung Saint Malo. Dort erwartet uns ein warmer, sonniger Sommertag und ein langer Weg zu Fuß bis zur Jugendherberge. Während des 45minütigen Fußmarschs werden die Rucksäcke auf unseren Rücken immer schwerer, die Hitze unerträglicher und die Laune dementsprechend schlechter. Schließlich erreichen wir aber doch gegen Mittag unser Ziel. Die Reservierung im voraus erweist sich nun als sehr besonnen, denn die Betten sind zur Zeit knapp. Deswegen erhalten wir kurzerhand statt des angekündigten Zweibettzimmers ein Dreibettzimmer, welches wir uns mit einer „jüngeren Damen“ teilen sollen, so der Jüngling an der Rezeption. Auf unser Zimmer können wir leider noch nicht, erst ab 17h00. Unsere Rucksäcke können wir in den Gepäckaufbewahrungsraum stellen und dann geht es durchgeschwitzt und noch immer etwas verschlafen und erschöpft in Richtung des alten Stadtkerns Saint Malo’s.
Saint Malo, die frührer Piratenstadt. Was ist übriggeblieben? Statt der Korsaren bevölkern heute Touristen über Touristen diese weithin bekannte Festung. In den engen Gassen werden zwar kein Diebesgut mehr verkauft (oder vielleicht doch?), sondern der übliche Schnickschnack, wie man ihn wirklich überall finden und mit dem man so viele Touristen glücklich machen kann. Sicher, die gewaltigen Mauern, sie haben ihre Geschichte überstanden, aber was ist mit dem Geist dieser legendären Festungsstadt? Man möchte meinen, die Reisenden haben die Piraten vertrieben und die Stadt nun für sich eingenommen. Die Kulisse ist also noch immer da, jedoch die Schauspieler von damals, die den Geist dieser Stadt ausmachten, sie sind fort. Eine neue Ära ist angebrochen. Auf dem tosenden Meer vor den Stadtmauern, wo einst die Schiffe ausliefen, immer auf der Suche nach dem Schatz des Jahrhunderts, lernen heute Kinder auf kleinen Booten das Segeln, aalt man sich in der Sonne und freut man sich des Lebens.
Am nächsten Morgen bringt uns der Autobus gegen 9 Uhr nach Cancale, Haltestelle Port Mer. Laut Wanderkarte heißt es, dass es von dieser Stelle einen Zugang zum Wanderweg GR 34 gibt. Hier beginnen wir nun das erste mal an diesem Tag, nach dem richtigen Weg zu suchen. Noch sind wir aber viel zu optimistisch und voller Tatendrang, als dass das unsere Laune beeinflussen könnte. Cancale, eingesäumt von einem kleinen idyllischen Hafen, ist vor allem für seine Austernbänke bekannt. Wir, als Nicht-Meeresfrüchte-Esser überzeugen uns aber nicht von dieser Köstlichkeit. Unser Weg beginnt mit einer Art Trampelpfad, der sich entlang der Steilküste schlängelt. Noch schläft hier alles, und die Ruhe schwebt wie eine Wolke über dem Meer. Unsere erste Zwischenstation ist die Pointe du Grouin, eine Landspitze. Nicht mehr die Ruhe, sondern dicke Regenwolken hängen mittlerweile über uns und vergönnen uns einen schönen Ausblick. Und die Vögel auf dem gegenüberliegenden Inselchen, zum Vogelschutzgebiet gehörend, präsentieren sich auch nicht allzu selbstbewusst. Und noch etwas stellt sich unserem Wandereifer entgegen – das erste mal auf unserer Bretagne-Tour werden wir vom Regen heimgesucht. Dies wird sicherlich unsere letzte Wanderung sein, auf welcher wir nur mit einer Regenjacke ausgestattet sind. Einem auch noch so sommerlichen Wetter, blauem Himmel und Sonnenschein – man sollte ihnen nicht trauen und sie immer als Vorboten des Regens in der Bretagne betrachten. Der Regen wird auf der Wanderung Richtung Saint Malo zu unserem ständigen Begleiter – mal mehr, mal weniger, mal gar nicht. Unser Enthusiasmus beginnt langsam vom Regen weggespült zu werden. Eine der wenigen Regenpausen nutzen wir für eine erste Pause an einem kleinen, abgelegenen Sandstrand. Es scheint, als würde der Regen mit uns wandern und rasten und so läßt unser Begleiter nicht lange auf sich warten und beglückt uns alsbald wieder mit seinem kühlen Nass. Gleichgültigkeit beginnt sich langsam einzustellen und auch die Ungeduld gesellt sich dazu. Denn der Weg scheint einfach nicht kürzer zu werden. Nach jeder umwanderten Bucht, folgt eine neue und der Horizont hat den Anschein, vor uns fliehen zu wollen. Erfreute uns der erste Sandstrand noch in beträchtlichem Maße, so erweist sich eine Vielzahl folgender Strände eher als lästig und nervenaufreibend. Sand, der sich in trockenem und warmen Zustand an die Füße schmiegt, bleibt in nasser Form lästig und unverfroren in jeder Fußecke kleben. Noch mehr verständlicher Unmut macht sich also bei uns breit. Am Nachmittag geht die Zeit des Regens als Unheilstifter jedoch vorüber und Sonnenschein scheint uns gut stimmen zu wollen. Da haben wir die Rechnung aber ohne die Wanderwegmarkierung gemacht. Denn was bringt uns schönes Wetter und trockene Füße, wenn wir nur umherirren und die Zeit uns vorausläuft? Zum Glück wird unser erster Irrweg von einem aufmerksamen Camper bemerkt, welcher beobachtet, wie wir uns einen zugewucherten Trampelpfad entlangmühen. „Dort geht es nicht weiter!“ Oder so ähnlich ruft er uns hinterher und verhindert somit Schlimmeres. Wir kehren also um und befolgen seinen Ratschlag, den angrenzenden Campingplatz zu durchqueren um von da aus nach Saint Malo zu gelangen. Den Wanderweg GR 34 kennt er allerdings nicht und kann uns also auch nicht wirklich weiterhelfen. Der Campingplatz ist keiner überlicher: Zelte gibt es hier nicht, wohl eher alte Zugwagons, die als Behausung dienen. Als wir schließlich den Ausgang des Campingplatzes erreichen, stehen wir wieder vor dem selben Problem: Wo geht es weiter und wo ist der rot-weiße Balken? Nun stehen wir vor der berühmt berüchtigten Kreuzung, die Straßen in zwei verschiedene Richtungen für uns bereithält. Ein paar 50 Meter entfernt liegt die zum Zeltplatz gehörende Information. Auf dem Weg dorthin kommt uns eine Frau mit Kinderwagen entgegen. Ich frage sie auf französisch, wie man von hier nach Saint Malo käme. Sie antwortet mir in etwas schleppenden Französisch mit deutschem Akzent. Also führe ich die Befragung auf Deutsch fort. Die deutsche Frau kann aber auch nur vage Vermutungen aussprechen und uns nicht wirklich weiterhelfen. Die jungen Mitarbeiter in der Information sind da schon hilfreicher. Und hier wird dann auch gleich mal Klartext gesprochen. Wenn wir auf dem schnellsten Weg nach Saint Malo wollen, müssen wir durch ein Gebiet, welches nur bei Ebbe durchlaufen werden kann. Bei Flut müsste man dieses Gebiet „weiträumig umlaufen“. Es ist nun schon wirklich spät (gegen 17 Uhr) und wie lange sollen wir denn nun noch unterwegs sein? Die zu Beginn noch schöne Wanderung wandelt sich nun langsam aber sicher zu einem Kampf mit der Zeit, den schwerer werdenden Rucksäcken, den trägen Füßen und unserer Lustlosigkeit. Aber der Gezeitenkalender ist uns wohl gesonnen und gibt uns preis, dass das besagte Stück Wattenmeer zu dieser Zeit vom Meerwasser freigegeben ist. Etwas frischeren Mutes gehen wir also weiter. Die Straße leicht bergauf, und gleich neben der Crêperie sollte es sein. Ja und schneller als gedacht sind wir auch wirklich da. Noch nach dem richtigen Indiz suchend kommen uns zwei sich zuvor unterhaltende Herren entgegen und bringen uns auf die richtige Spur. Ein letzter freundlich Blick in den Gezeitenkalender von einem der Beiden bestätigt die Info aus der Campingplatzinformation. Gott sei dank! Naja, nun stehen wir da: ein leeres Flußbecken trennt uns von der anderen etwa 50 Meter entfernt liegenden Festlandseite. Wir ziehen die Schuhe aus und los geht es. Aber: der Schlick, oder was auch immer, ist doch recht matschig und unsere Füße versinken für unser Empfinden zu weit im Schlamm, also legen wir lieber den Rückwärtsgang ein. Aber was sollen wir nun machen, denn einen rot-weißen Balken gibt es hier nicht. Aber da erblicken wir, etwas entfern, eine Art Steg, auf dem man vielleicht das Becken überqueren könnte, ohne durch den Schlick laufen zu müssen. Nun beginnen wir am Rand der leergelaufenen Bucht entlang zu rutschen. Der Weg besteht aus einem kleinen Hang und ist mit noch nassem Gras überwuchert. Wir haben also so unsere Not, auf dem nassen Gras nicht wegzurutschen. Ein Unheil kommt selten allein. Dem nassen Gras folgt ein Bächlein. Über dieses sind zwei ebenfalls nasse Bretter gelegt, welche als Steg dienen sollen. Trotz meiner Befürchtung wegrutschen zu können setze ich einen Fuß auf die Bretter. Der zweite tut es dem ersten gleich, doch da rutsche ich auch schon zur Seite. Völlig selbstlos rettet mich Katja aus dieser Misere und vor einem Sturz in den tosenden Bach. ;-) Nun gut, dann müssen wir halt wieder mal ein Fußschlammbad in Kauf nehmen und den Bach durchwaten. Die Füße werden danach mit Papiertaschentüchern in kleinen Wasserpfützen entkeimt. Aber der schwarze Schlamm ist doch recht hartnäckig. Schließlich erreichen wir auch die andere Seite des leeren Beckens und werden von unserem rot-weißen Balken empfangen. Geschafft!??? Wir hätten es uns eigentlich verdient nach diesen Strapazen. Ich bin es auf jeden Fall, aber Katja beweißt wieder mal ihre unweigerliche Nervenstärke und muss just in diesem Moment, nachdem wir nur knapp an der Verzweiflung vorbeibalanciert sind, ein Foto machen. Zu viel für mich. Noch immer sind wir weit von Saint Malo entfernt und es wird immer später. Aber Katja scheint das nicht wirklich zu stören. Andererseits muss dieser geschichtsträchtige Ort natürlich als Beweismittel auf ein Foto gebannt werden. Außerdem ergibt sich hier zum ersten mal auf unserer Reise der Blick auf „gestrandete“ Boote, die vollkommen regungslos auf dem trockenen Sand liegen und darauf warten, wieder vom Meereswasser umspült zu werden.
Aber unsere Wanderwegmarkierung ließ uns an diesem, sich langsam dem Ende nähernden Tag noch weiter Male im Stich. Teilweise völlig orientierungslos liefen wir von einer Ecke in die andere und wieder zurück, immer auf der Suche nach dem richtigen Weg. Der GR 34 war wahrscheinlich nur uns bekannt, denn die Leute die wir nach dem Weg fragten, konnten uns leidern nicht weiter helfen. Sichtlich genervt, gereizt und langsam am Ende unserer Kräfte, beschlossen wir, uns von nun an nicht mehr auf unsere doch recht grobe Wanderkarte zu verlassen, sondern nahmen den Stadtplan von St. Malo zu Hilfe, da wir uns glücklicherweise und immerhin schon in einem Vorort von St. Malo befanden, welcher auch auf der Karte eingezeichnet war. Das letzte Stück folgten unsere lahmen Füße nur noch der Straße. Das war noch mal ein hartes Stück Arbeit. Aber das Ziel war nah und neuer Enthusiasmus machte sich breit. Erschöpft und zu nichts mehr fähig erreichen wir die Jugendherberge. Endlich!
Am nächsten Morgen packen wir nach dem Frühstück unsere sieben Sachen und verlassen die Jugendherberge. Auf dem Plan steht noch einmal die Alt-Stadt von Saint-Malo. Aber nicht unbedingt mit den schweren Rucksäcken. Diese können wir aber nicht in der JH lassen. Das Unterstellen von Gepäck ist nur den Ankömmlingen vorbehalten. Unser Gepäck – ein wahrhafter Hinkelstein, mit dem wir noch öfter zu kämpfen haben werden. Zunächst fahren wir mit dem Bus zum Bahnhof um uns nach einem passenden Zug nach Pontorson zu erkundigen. Aber auch am Bahnhof können wir unser Gepäck nicht unterstellen. Also schleppen wir uns mit unseren Habseligkeiten (ist übrigens schönstes Wort 2004) zu den Stadtmauern. Noch ist es früh und die Straßen leer. Das macht es um einiges leichter. Wir suchen uns eine freie Bank, natürlich mit Blick zum Meer und gönnen uns noch etwas Ruhe. Da es um unseren Reiseproviant nicht sonderlich gutbestellt ist, ziehe ich noch mal los um uns etwas zu Essen zu besorgen, während Katja Wache hält. Dies verbinde ich gleich mit einem kleinen Spaziergang durch die engen Straßen und Gassen der alten Piratenstadt. Das nächste mal sollte man vielleicht etwas mehr Zeit und weniger Gepäck für St. Malo mitbringen. Mit zwei überteuerten, aber leckeren Sandwichs kehre ich schließlich zurück. Die Zeit bis zur Zugabfahrt überbrücken wir schließlich mit dem Schreiben von Postkarten, fotografieren, sowie dem Beobachten von Touristen und Möwen.
Gegen Mittag finden wir uns wieder am Bahnhof ein, wo uns unser Zug schon erwartet. In Dol-de-Bretagne müssen wir umsteigen, und unsere Reise setzt sich in einem kleinen, wackeligen, überfüllten Bummelzug fort. Für uns sind leider nur noch Stehplätze übriggeblieben – und die Rucksäcke saßen mehr oder weniger bequem auf unseren Rücken - die Zeit kann manchmal wirklich langsam vergehen. Nach einer viertel Stunde werden wir schließlich erlöst und erreichen den Miniaturbahnhof von Pontorson - das Tor zum Mont-Saint-Michel. Ein kleines verschlafenes Städtchen liegt vor uns, fast wie ausgestorben. In der Jugendherberge müssen wir dann leider hören, dass wir nur eine Nacht bleiben können und eine Reservierung für eine zweite Nacht nicht möglich sei, da alles ausgebucht ist. Das heißt, dass wir unsere Pläne wieder über den Haufen werfen und neu ordnen mussten. Da der Mont-Saint-Michel jeden Tag von einer riesigen Masse von Touristen bevölkert wird, ist es von Vorteil den heiligen Berg entweder früh am Morgen, oder sehr spät zu besuchen. Somit war der Besuch für den kommenden Morgen eingeplant. Da wir aber nur eine Nacht in der JH bleiben können, hieße das, dass wir unserer Gepäck wieder mitnehmen müssen. Am Bahnhof gab es zwar Schließfächer (ein kleiner Lichtblick), aber wie sollte es anders sein: Sie funktionierten nicht. Kurzerhand entschlossen wir uns darum, den Mont-Saint-Michel noch am selben Nachmittag zu erobern und uns in das Gewühl von Menschmassen zu stürzen. Vorher jedoch versuchten wir fast vergebens uns mit neuen Proviant einzudecken. Der Bedarf an Lebensmittelgeschäften scheint nicht allzu groß zu sein in Pontorson.
Mit dem Bus fuhren wir schließlich bis vor die Tore des Mont-Saint-Michel, wo uns schon ein riesiger Parkplatz mit Autos über Autos begrüßte – ein kleiner Vorgeschmack von dem, was uns noch erwartete. Schon auf der Hinfahrt beeindruckte uns die Erscheinung des Inselberges aus der Entfernung. Erhaben, voller Stolz und unerschütterlich – wenn man doch bedenkt, wie viele Menschfüßen tagtäglich auf ihm herumtrampeln. Und wir wollten es ihnen nun gleich tun – man möge es uns verzeihen. Es war wahrlich nicht leicht sich mit den Menschmassen durch die enge Gasse, die den Berg hinaufführte, vorwärts zu kommen. Ein Souvenirgeschäft reiht sich an das nächste. Restaurants und Hotels gibt es ebenfalls (welche schon die Straße von Pontorson zierten) – jedes freie Plätzchen Erde scheint zugebaut zu sein. Um den Berg herum erstreckte sich das Wattenmeer. Nur zu einer ganz bestimmten Zeit im Jahresverlauf wird der Mont-Saint-Michel noch von den Wellen des Meeres umspült. Die gute Aussicht dank des guten Wetters entschädigt uns für die Menschenmassen. Mit Ruhe und Besinnlichkeit kann man uns hier nicht dienen. Um auf den höchsten Aussichtspunkt zu gelangen, müssen wir ein nettes Sümmchen von 4,90 Euros pro Person zahlen, und das war schon der ermäßigte Preis. Aber wenn man schon einmal da ist ... Uns erwartete eine beeindruckende Abtei mit ihren verschiedenen Räumlichkeiten, welche früher unter anderem als Esszimmer, Meditationsraum, usw. dienten und einigen schönen Aussichten. Doch auch hier wurde die sonst für Kirchen übliche angenehme Ruhe durch Kindergeschrei und andere Geräusche gestört. Nach dem Besuch der Abtei traten wir unsere Heimfahrt an und kehrten zurück nach Pontorson. Dort müssen wir noch vor der Rückkehr zur JH nach den nächsten Jugendherbergen forschen. Am Ende stellt sich heraus, dass die Jugendherberge in Trebeurden nach wie vor ausgebucht ist, wir uns in Dinan mit einem gemischten Zimmer zufrieden müssten und die Jugendherberge am Cap Fréhel am Wochenende frei, ab Montag aber schon wieder belegt ist. Eventuell wäre am Freitag, also morgen, noch etwas frei, das ist aber noch nicht ganz sicher. Ein Rückruf am nächsten Morgen soll diesbezüglich Klarheit schaffen.
Nach einem schnellen Frühstück – schnell wahrscheinlich, weil das Weißbrot so trocken war und fast im Hals stecken blieb – machten wir uns gegen 8 Uhr auf dem weg zum Bahnhof, wo wir noch vor unserer Abfahrt ein paar Telefongespräche für unsere nächsten Nachtlager tätigen wollen. Die Telefonzelle am Bahnhof war an diesem Morgen gut besucht und so zogen sich die Telefonate doch etwas in die Länge. Was soll ich sagen, unsere Planroute wird mehr und mehr zu einer Wunschroute und Flexibilität wird von uns verlangt. Ursprünglich sollte es nach Saint Malo und Pontorson weiter nach Dinan gehen. Das wäre auch möglich, nur könnten wir im Anschluss nicht wie geplant weiter zum Cap Fréhel und später auch nicht nach Treubeurden, da beide ausgebucht wären zu dieser Zeit. Uns bleibt also nichts übrig, als alles über den Haufen zu werfen. Dinan kann auf uns warten, dort müssen wir auf der Rückfahrt eh wieder vorbei. An diesem Morgen ist uns das Glück zur Abwechslung mal hold und ich freu mich zu hören, dass noch zwei Betten am Cap Fréhel für den heutigen Freigag auf uns warten. Also fahren wir gleich weiter zum Cap Fréhel. Gegen 9 Uhr verlässt der Zug den kleinen, bescheidenen Bahnhof, genau wie das Städtchen Pontorson selbst. Viel zu kurz war die Zeit zum schauen und genießen. Eben nur ein kurzes Intermezzo. Pontorson wird nur einige, zu wenige Spuren in unseren Erinnerungen hinterlassen. Viel zu sehr steht es im Schatten des sagenhaften Mont-Saint-Michel und leitet unter der Ignoranz der Touristen, die es tagtäglich sozusagen links liegen lassen, auf ihrem Weg zum heiligen Berg.
Über Rennes erreichen wir gegen Mittag die Stadt Lamballe, bekannt durch ihre unter Napoleon ins Leben gerufene Pferdezucht. Von hier werden wir unsere Reise mit dem Bus weiter bis zum Cap Fréhel fortsetzen. Aber jetzt noch nicht. Da der Empfang der Jugendherberge erst gegen 18 Uhr öffnet, möchten wir die Zeit besser nutzen und noch etwas länger in Lamballe bleiben. Alles schön und gut, aber mit Gepäck? Besser wäre ohne. Da sticht mir natürlich das Gepäckaufbewahrungszeichen am Bahnhof sofort ins Auge. Nur, wo genau soll das sein? Nach längere Suche gebe ich auf und frage einfach am Schalter nach, mit ernüchterndem Resultat: Die Gepäckaufbewahrung gibt es nicht mehr, nur für Reisende, die mit einem der nächsten Züge fahren möchten. Dazu zählen wir leider nicht. Kurz entschlossen positioniere ich Katja vor dem Bahnhof mit dem Gepäck und mache mich auf in Richtung Tourist-Information. Nach einigen Umwegen (Stadtpläne lesen soll gekonnt sein) finde ich diese auch und werde nett empfangen. Die junge Frau ist sehr hilfsbereit und kann mir mit den Busabfahrtszeiten und unsere Haltestelle am Cap Fréhel weiterhelfen. Frischen Mutes mache ich mich wieder auf und besorge uns unterwegs noch ein leckeres Thunfisch-Baguette. Damit konnte ich dann Katja am Bahnhof, in ihre Lektüre vertieft, überraschen und die Laune allgemein steigern. Inzwischen ist es recht warm geworden und die Mittagssonne wacht über uns. Da unserer Bus zum Cap Fréhel erst gegen 16 Uhr abfährt beschließen wir, uns ein schattiges Plätzchen zu suchen. Wir werden auch schnell fündig und lassen uns in einem kleinen, nicht weitentfernten Park auf einer Bank nieder - Katja wieder in ihr Buch vertieft, und ich mit schlafen beschäftigt. So lässt es sich aushalten. Aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Uns ist wohl bekannt, dass wir die nächsten drei Nächte fernab der Zivilisation verbringen werden, also ohne große Einkaufsmöglichkeit. Folglich müssen wir uns noch vor der Abfahrt mit einem Mindestvorrat an Lebensmitteln versorgen. Leichter gesagt als getan. Um nicht wieder das Gepäck mitschleppen zu müssen, mache ich mich zunächst allein auf den Weg, um nach einem Supermarkt oder ähnlichem Ausschau zu halten – aber Fehlanzeige. Ich finde einfach nichts dergleichen. Ich laufe von der einen in die nächste Ecke, nur einen Lebensmittelladen kann ich einfach nicht finden. Leicht genervt irre ich durch die Stadt und weiß schon langsam nicht mehr so genau, wo ich eigentlich bin. Und da entdecke ich an der gegenüberliegenden Straßenecke einen kleinen Kiosk. Na endlich. Langsam wird es nämlich Zeit, denn der Bus fährt bald. Schnell husche ich zurück in den Park, den ich zwar nicht auf dem gleichen Weg, aber trotzdem überraschend wiedergefunden habe. Denn Geld hatte ich aus mir unerklärbaren Gründen nicht dabei. Mit unseren schweren Rucksäcken stürmen wir kurze Zeit später das kleine Lädchen und decken uns mit Nudeln, Ketchup, Käse, Wasser, Brot und Keksen ein. Das wäre also auch geschafft. Jetzt fix zum Bahnhof damit der Bus nicht ohne uns fährt. An der einsamen Haltestelle warten noch ein paar andere in der heißen Sonne auf den Bus. Und da kommt er auch schon um die Ecke. Ich kaufe zwei Tickets beim Busfahrer und frage ihn noch schnell, ob er die einzelnen Haltestellen durchgibt, denn von unserer Busfahrt nach Cancale wissen wir bereits, dass der Passagier selbst sehen muss, wann die richtige Haltestelle kommt. Und so oder ähnlich war auch die Antwort des Busfahrers. Na gut, wir werden das schon irgendwie hinbekommen. Aber jetzt liegt erst mal eine Stunde Busfahrt vor uns, dass heißt wir können uns erst mal ruhig in die bequemen Sitze fallen lassen. Von Zeit zu Zeit vergleiche ich die Haltestellen, an denen wir vorbeisausen, mit denen unseres Busfahrplanes. Viel schöner ist es aber, das Treiben in den einzelnen Orten, die wir durchqueren, zu beobachten. Zunächst sind das noch typische Touristenorte mit großen, gut gefüllten Stränden, von Souvenirläden gesäumte Straßen und zahlreichen Restaurants und Strandcafés. Aber zum Glück fahren wir weiter, und müssen nicht hier bleiben. Von Zeit zu Zeit hält der Bus und Leute steigen aus und ein. Es dauert nicht lange, da lichtet sich das Geschehen um uns herum und der Blick auf den Horizont wird frei. Vor uns liegt nun das Cap Fréhel. In der Ferne kann man schon den Leuchtturm vom Cap sehen. Links von uns schimmert das blaue Meerwasser im Sonnenschein. Nun wird es nicht mehr lange dauern. Noch mal schnell die Haltestelle abgleichen. Aber das ist nicht immer so einfach, vor allem weil man sich ständig konzentrieren muss, und ich eher schläfrig als wach bin. Ein Kilometer vor dem Cap fahren wir einen kleinen Bogen und fahren wieder vom Cap weg, auf der anderen Seite des Halbinselchens. Laut Busfahrplan müsste die Haltestelle eigentlich bald kommen, aber wann und wo? Da ertönt es vom Busfahrer: „Plévenon, Jugendherberge! Will hier jemand aussteigen?“ (so oder so ähnlich) Da bin ich beim Busfahrer doch nicht auf taube Ohren gestoßen, als ich ihn zu Beginn der Busfahrt nach den Haltestellen fragte. Natürlich, wir wollen hier aussteigen. Mehr oder weniger schnell sind die Rucksäcke aufgehuckelt und wir schwanken aus dem Bus. Und was sehen wir da? Eine lange Straße, von der aus kleinere Straßen irgendwohin abzweigen, etwas weiter weg ein Dörfchen, und sonst nichts! Doch, auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdecken wir einen Richtungsweiser für die Jugendherberge. Na wenigstens etwas, denn fragen könnte man hier keinen nach dem Weg. Die letzte Etappe für den heutigen Tag liegt nun vor uns. Einen Fuß vor den anderen laufen wir los und stellen alsbald fest, dass der Weg eher länger als kürzer ist, und die Rucksäcke werden irgendwie auch immer schwerer. Der Tag neigt sich langsam dem Ende und wir sind schon seit einigen Stunden auf den Beinen und nicht mehr ganz fit. Aber dieses letzte Stück schaffen wir jetzt auch noch. Die Straße führt an ein paar Häusern vorbei, von einer Jugendherberge ist aber nichts zu sehen, also geht’s weiter. Dort vorn kommt wieder eine kleine Kreuzung. Wieder ein Hinweisschild für die JH. Immerhin sind wir noch auf dem richtigen Weg. Und nach einigen Metern erreichen wir endlich das Grundstück der JH. Zunächst ein kleiner Parkplatz, dann der Innenhof mit den Gebäuden und der kleine Campingplatz. Wir haben es geschafft. Jetzt ist erst mal alles andere egal. Hinter uns liegt ein anstrengender Tag und jetzt haben wir uns etwas Ruhe verdient. Noch müssen wir etwas warten, da der Empfang erst um 18 Uhr aufmacht. Aber das macht nichts. Wir machen es uns inzwischen auf einer der Bänke bequem. Da macht es auch nichts, dass der Besitzer uns (und ein paar andere, die auch ein Nachtlager suchen) warten lässt und eine halbe Stunde zu spät kommt. Ein Autounfall war Schuld für die Verspätung. Später nehmen wir unser Zimmer in Empfang: acht Betten verteilt auf zwei Etagen. Die Duschen und Toiletten sind ein paar Schritte über den Hof entfernt, genau wie die Gemeinschaftsküche. Wir sind ganz zufrieden. Dieses Glück soll vervollkommnet werden durch das erste warme, selbst gekochte Essen seit unserer Abreise. Die Küche ist eher etwas spartanisch eingerichtet: mit zusammengesammelten Möbeln, alten Töpfen und einem Gasherd.
Kurze Zeit später sitzen wir im Freien und lassen uns unsere Nudeln mit Tuben-Ketchup schmecken. Um uns herum spazieren Hühner mit verschiedenstem Gefieder und nicht weitentfernt auf einer Koppel grasen Schafe ( oder waren es doch Ziegen?). Außerdem sind noch ein paar andere Gäste da, vor allem Familien. Am nächsten Morgen muss ich feststellen, dass ich besonders gut geschlafen habe. Das Frühstück steht um acht bereit: Baguette mit Butter und Marmelade und Tee. Frisch gestärkt geht es nun los in Richtung Cap Fréhel. Nach etwa einer Stunde Straßenwanderung und Heidelandschaftbegutachtung erreichen wir das Cap Fréhel mitsamt seinem phare, dem Leuchtturm. Nach diesen ersten Anstrengungen lassen wir uns auf einer Bank mit Blick auf die Küste nieder. Unser Glück dauert leider nicht allzu lange und schon bald kommt eine kleine, etwas moppselige und hergeputzte Frau und weist uns darauf hin, dass die Bank umgedreht werden müsste und nicht so stehen bleiben darf. Unsere Fragezeichen lösten sich etwas später auf, als wir feststellen, dass es sich hier um die Klofrau und wahrscheinlich Ordnungshüterin höchst persönlich vom Cap Fréhel handelt, die sehr gewissenhaft ihren Pflichten nachgeht. Da der Blick von der Bank von nun an auf den sich füllenden Parkplatz zeigt und an Reiz verloren hat, rütteln wir uns auf und nehmen Kurs auf das Kap. Hier bestaunen wir nun die vielgepriesene Steilküste, die man schon oft auf Bildern abgedruckt gesehen hat.
Morgenstund´ hat Gold im Mund und so wandern wir munter weiter entlang der Küste in westliche Richtung und lassen das Cap Fréhel hinter uns zurück. Unser Weg führt uns über schmale Schlängelwege, gesäumt von blühender Heide. Der dunkle Boden unter unseren Füßen ist trocken und staubig und bei jedem Schritt entsteht eine kleine Staubwolke, welche sich auf unseren Füßen ablegt und diesen einen unerwünschten Mantel aus Schmutz verpasst. Aber wie wir feststellen, hält unser Wanderweg noch viel mehr für uns bereit: immer wieder kreuzen kleine Flitzer, im Volksmund auch Eidechsen genannt J, unseren Weg und setzen uns in Erstaunen. Über uns strahlt die Sonne und ein blauer Himmel überwacht unsere Wanderung. Nach zwei Stunden erblicken wir schließlich etwas entfernt einen Strand und schnell wird beschlossen: wir gehen baden. Am oberen Ende des Strandes, breiten wir unsere Decke aus und lassen uns nieder. Die Badesachen haben wir dabei, aber noch nicht an. Umständlich (wie wir sind), und mit dem Handtuch um die Hüften wechseln sich Wanderklamotten und Badeoutfit ab. Aufmerksame Blicke findet man schließlich überall! Da wir Geld und den großen Fotoapparat dabei haben, ist es wohl besser wenn immer einer auf die Sachen aufpasst, während der eine sich in die Fluten stürzt. Während Katja sich schon im kühlen Nass aalt, verabschiedet sich meine Vernunft für ein kurzes Nickerchen in der heißen Sonne. Ich nutze die Gunst der Stunde und mach mich auf, Katja Gesellschaft zu leisten. Gemeinsam kämpfen wir gegen die Welt und testen das Salzwasser. Nach dem kühlen Bad machen wir es uns wieder in der warmen Sonne bequem. Mein Regenschirm wird kurzerhand zum Sonnenschirm umfunktioniert und schütz von nun an meinen Kopf vor den gefährlich heißen Strahlen der Sonne.
Zwei Stunden sind vorüber und wir machen uns wieder auf den Weg. Der Sand ist heiß und der Aufstieg zum Wanderweg etwas beschwerlich, da der Sand, eben wie Sand unter den Füßen ist. Oben angekommen schießen wir noch ein letztes Bild, und stellen überrascht fest, dass der Strand aufgrund der Ebbe um einiges breiter geworden ist. Etwas träge treten wir den Rückweg an. Wieder begegnen uns kleine Flitzer, und wieder dauert es nicht länger, bis unsere Füße wieder kohlrabenschwarz sind. Auf unserem Rückweg finden wir einige neue Badestellen, die das Meerwasser durch die Ebbe freigegeben hat. Über kleine, beschwerlich, kaum ersichtliche Schleichwege gelangt man zu fast waagerechten Felswänden, auf denen sich einzelne Sonnenanbeter niedergelassen haben.
Schließlich erreichen wir wieder den Leuchtturm. Der Tag ist noch jung und wir haben noch keine Lust, zur Jugendherberge zurückzukehren. Also machen lassen wir uns auf der Bank nieder, die uns am Morgen die Klofrau sozusagen unter dem Hintern weggezogen hat. Nichtsdestotrotz ist es für uns ein Genuß, die Klofrau bei ihrem verantwortungsvollen Aufgabe zu beobachten. Bevor man die Treppe zu den Toiletten hinabsteigen darf, muss erst ein kleiner Obolus entrichtet werden. Da gibt es kein Partout. Notfalls steht Madame auch auf und läuft den nach Erleichterung Suchenden hinterher, um diese über ihre Pflichten aufzuklären. Später gesellt sich noch die Frau des Leuchtturmwärters dazu, und gemeinsam wird nun getratscht und geklatscht. Doch es gibt noch mehr zu sehen. Wie zum Beispiel den kleinen Pfiffie, der von Frauchen vor dem Auto sein Dosenfutter in einer extra Schale serviert bekommt. Etwas belustigt bestaunen wir auch die Leute, welche auf dem Parkplatz stehende Trikes bewundern, als hätten sie diese noch nie gesehen, war wahrscheinlich auch so. Ach das ist schon schön, wenn man so viel Zeit hat, wie man möchte.
Nun können wir uns aber doch aufrappen und nehmen die letzte Etappe Richtung Jugendherberge in Angriff. Unser heutiges Abendessen ist wieder etwas spärlicher: Brot, Käse und Äpfel. Der Abend ist warm und es ist noch lange hell. Die Zeit nutzen wir um an einem der Tische Postkarten zu schreiben.
Der nächste Morgen hingegen empfängt uns mit einem wolkenverhangenen Himmel und den ein oder anderen Regentropfen. Wir wollten heute eigentlich zu Fort de la Latte. Aber wir beschließen noch etwas zu warten. Unser üblicher Zeitvertreib ist wieder das Uno-Spiel. Gegen um zehn lässt der Regen etwas nach und wir machen uns auf den Weg. Zunächst laufen wir wieder nur Straße, später aber führt uns unser Wanderweg auch durch ein Stück Wald, was eher ungewohnt ist. Denn bisher waren wir immer nur von knöchelhoher Heide umgeben. Schon von weitem erkennt man die Festung am Horizont. Der stolze Preis für die Besichtigung der Festung jedoch war uns vorher noch unbekannt. Aber nun sind wir schon mal hier, da können wir auch die vier Euro aufbringen. Die Ruine selbst hält nicht allzuviel Spektakuläres für uns bereit, bis auf einen Aussichtspunkt, den man mühsam auf allen Vieren erklettern muss, einen kleine Gruppe mittelalterlich gekleideter Gesellen, die verschieden Tätigkeiten nachgehen, wie Kanonenkugeln abschießen, Handwerk usw.
... Fortsetzung folgt ... wann genau, steht noch in den Sternen ;-)
Bereits die Anfahrt zur eigentlichen Abfahrt vom Jenaer Saalbahnhof gestaltet sich schwierig und nervenaufreibend. Niemals hätte ich geglaubt, dass gerade ein Stau auf der Autobahn uns in die Quere kommen und den Reisestart gefährden könnte. Nun gut, wir bzw. ich werden eines besseren belehrt. Trotz dass wir ausreichend früh losgefahren sind (mit vermeintlich genügend Zeitpuffer im Kofferraum) wird es dann doch etwas eng, weil sich die Auto- und LKW-Masse auf der Autobahn nur schwerfällig bis gar nicht vorwärts bewegen. Ein Ausweichmanöver auf die Landstraße entpuppte sich ebenfalls als aussichtslos, da bereits einige vor uns diesen Gedanken gehegt haben, und somit auch diesen einen Hoffnungsschimmer bereits durch einen weiteren Stau blockieren. Mehr oder weniger freudig geht es wieder auf die Autobahn zurück, wo die anderen Autos und LKWs schon auf uns warten. Erste Schubladenpläne werden ausgeheckt, für den Fall, dass wir es nicht mehr rechtzeitig schaffen würden. Mit 15 Minuten Verspätung kommen wir schließlich am Saalbahnhof in Jena an. Da steht jedoch kein Bus mehr - oder vielmehr da stand noch kein Bus, wie sich herausstellt. Denn nicht nur wir sind zu spät, sondern auch der Bus. Glück im Unglück nennt man so was! Kurze Zeit später erreicht aber auch dieser sein Ziel und unserer Reise steht zunächst erst mal nichts mehr im Wege.
Ja und dann ging es auf in Richtung Frankfurt. Dort trudeln wir gegen 21h00 ein. Nun heißt es eine Stunde auf den nächsten Bus warten, der uns dann nach Paris chauffieren wird. An Schlaf ist in dieser Nacht nicht zu denken. Gegen 7h00 am Morgen erreichen wir schließlich Paris.
Für einen kurzen Augenblick ist es wie bestellt und nicht abgeholt – Wir sind eben aus dem Bus gestiegen, haben unserer Rucksäcke in Empfang genommen und jetzt standen wir da, irgendwo am Rande von Paris morgens um 7h00. Dem Strom folgend erreichen wir ein paar Treppen abwärts die Metrostation. Von hier aus soll es weiter zum Gare de Montparnasse gehen. Einfacher gesagt als getan. Wir sind nicht die einzigsten die zu so früher Stunde versuchen mit ihrem Gepäck vom internationalen Busbahnhof wegzukommen. Und alle stellen wir uns die gleiche Frage: wie kommt man an das Ticket für die Metro? Denn ohne dieses kommt man gerade mal bis zu den Entwertungsautomaten und nicht weiter. Es gibt nur ein Problem: kein offener Fahrkartenschalter, nur ein Fahrkartenautomat und eine lange Schlange die vor selbigen wartet. Nach einer viertel Stunde erreichen auch wir endlich das Ende der Schlange, welche hinter uns noch lange nicht endet. Trotz der Unkenntnis über die Funktionsweise des Automaten sind die zwei Tickets dann doch recht schnell und unkompliziert gekauft. Nicht so angenehm empfinden wir allerdings die anschließende Fahrt mit der Metro. Seit etwa einer halben Stunde fahren wir quer durch die unterirdischen Straßen von Paris, mit einmal umsteigen und jeweils 10 Stationen, die wir passieren müssen. Hinzu kommt die warme, schwüle Luft, die schweren Rucksäcke auf dem Rücken und jede Menge andere Leute, die sich mit uns den Platz in der Metro teilen. Endlich da! am Gare de Montparnasse hatte das Leiden ein Ende. Gegen 7h45 trudeln wir endlich am Bahnhof ein. Am Fahrkartenschalter kaufen wir das Ticket für die Zugfahrt nach Saint Malo, welche kurz nach 8h00 beginnen sollte. Geschafft. Von nun an geht es etwas gemächlicher, bequemer und ruhiger weiter. Die zwei Plätze im TGV nach Rennes sind reserviert und warten nur noch darauf, dass wir endlich etwas von dem verlorenen Schlaf der vergangen Nacht nachholen.
Nach einem etwas längeren Zwischenstopp in Rennes geht es dann mit der Bummelbahn weiter in Richtung Saint Malo. Dort erwartet uns ein warmer, sonniger Sommertag und ein langer Weg zu Fuß bis zur Jugendherberge. Während des 45minütigen Fußmarschs werden die Rucksäcke auf unseren Rücken immer schwerer, die Hitze unerträglicher und die Laune dementsprechend schlechter. Schließlich erreichen wir aber doch gegen Mittag unser Ziel. Die Reservierung im voraus erweist sich nun als sehr besonnen, denn die Betten sind zur Zeit knapp. Deswegen erhalten wir kurzerhand statt des angekündigten Zweibettzimmers ein Dreibettzimmer, welches wir uns mit einer „jüngeren Damen“ teilen sollen, so der Jüngling an der Rezeption. Auf unser Zimmer können wir leider noch nicht, erst ab 17h00. Unsere Rucksäcke können wir in den Gepäckaufbewahrungsraum stellen und dann geht es durchgeschwitzt und noch immer etwas verschlafen und erschöpft in Richtung des alten Stadtkerns Saint Malo’s.
Saint Malo, die frührer Piratenstadt. Was ist übriggeblieben? Statt der Korsaren bevölkern heute Touristen über Touristen diese weithin bekannte Festung. In den engen Gassen werden zwar kein Diebesgut mehr verkauft (oder vielleicht doch?), sondern der übliche Schnickschnack, wie man ihn wirklich überall finden und mit dem man so viele Touristen glücklich machen kann. Sicher, die gewaltigen Mauern, sie haben ihre Geschichte überstanden, aber was ist mit dem Geist dieser legendären Festungsstadt? Man möchte meinen, die Reisenden haben die Piraten vertrieben und die Stadt nun für sich eingenommen. Die Kulisse ist also noch immer da, jedoch die Schauspieler von damals, die den Geist dieser Stadt ausmachten, sie sind fort. Eine neue Ära ist angebrochen. Auf dem tosenden Meer vor den Stadtmauern, wo einst die Schiffe ausliefen, immer auf der Suche nach dem Schatz des Jahrhunderts, lernen heute Kinder auf kleinen Booten das Segeln, aalt man sich in der Sonne und freut man sich des Lebens.
Am nächsten Morgen bringt uns der Autobus gegen 9 Uhr nach Cancale, Haltestelle Port Mer. Laut Wanderkarte heißt es, dass es von dieser Stelle einen Zugang zum Wanderweg GR 34 gibt. Hier beginnen wir nun das erste mal an diesem Tag, nach dem richtigen Weg zu suchen. Noch sind wir aber viel zu optimistisch und voller Tatendrang, als dass das unsere Laune beeinflussen könnte. Cancale, eingesäumt von einem kleinen idyllischen Hafen, ist vor allem für seine Austernbänke bekannt. Wir, als Nicht-Meeresfrüchte-Esser überzeugen uns aber nicht von dieser Köstlichkeit. Unser Weg beginnt mit einer Art Trampelpfad, der sich entlang der Steilküste schlängelt. Noch schläft hier alles, und die Ruhe schwebt wie eine Wolke über dem Meer. Unsere erste Zwischenstation ist die Pointe du Grouin, eine Landspitze. Nicht mehr die Ruhe, sondern dicke Regenwolken hängen mittlerweile über uns und vergönnen uns einen schönen Ausblick. Und die Vögel auf dem gegenüberliegenden Inselchen, zum Vogelschutzgebiet gehörend, präsentieren sich auch nicht allzu selbstbewusst. Und noch etwas stellt sich unserem Wandereifer entgegen – das erste mal auf unserer Bretagne-Tour werden wir vom Regen heimgesucht. Dies wird sicherlich unsere letzte Wanderung sein, auf welcher wir nur mit einer Regenjacke ausgestattet sind. Einem auch noch so sommerlichen Wetter, blauem Himmel und Sonnenschein – man sollte ihnen nicht trauen und sie immer als Vorboten des Regens in der Bretagne betrachten. Der Regen wird auf der Wanderung Richtung Saint Malo zu unserem ständigen Begleiter – mal mehr, mal weniger, mal gar nicht. Unser Enthusiasmus beginnt langsam vom Regen weggespült zu werden. Eine der wenigen Regenpausen nutzen wir für eine erste Pause an einem kleinen, abgelegenen Sandstrand. Es scheint, als würde der Regen mit uns wandern und rasten und so läßt unser Begleiter nicht lange auf sich warten und beglückt uns alsbald wieder mit seinem kühlen Nass. Gleichgültigkeit beginnt sich langsam einzustellen und auch die Ungeduld gesellt sich dazu. Denn der Weg scheint einfach nicht kürzer zu werden. Nach jeder umwanderten Bucht, folgt eine neue und der Horizont hat den Anschein, vor uns fliehen zu wollen. Erfreute uns der erste Sandstrand noch in beträchtlichem Maße, so erweist sich eine Vielzahl folgender Strände eher als lästig und nervenaufreibend. Sand, der sich in trockenem und warmen Zustand an die Füße schmiegt, bleibt in nasser Form lästig und unverfroren in jeder Fußecke kleben. Noch mehr verständlicher Unmut macht sich also bei uns breit. Am Nachmittag geht die Zeit des Regens als Unheilstifter jedoch vorüber und Sonnenschein scheint uns gut stimmen zu wollen. Da haben wir die Rechnung aber ohne die Wanderwegmarkierung gemacht. Denn was bringt uns schönes Wetter und trockene Füße, wenn wir nur umherirren und die Zeit uns vorausläuft? Zum Glück wird unser erster Irrweg von einem aufmerksamen Camper bemerkt, welcher beobachtet, wie wir uns einen zugewucherten Trampelpfad entlangmühen. „Dort geht es nicht weiter!“ Oder so ähnlich ruft er uns hinterher und verhindert somit Schlimmeres. Wir kehren also um und befolgen seinen Ratschlag, den angrenzenden Campingplatz zu durchqueren um von da aus nach Saint Malo zu gelangen. Den Wanderweg GR 34 kennt er allerdings nicht und kann uns also auch nicht wirklich weiterhelfen. Der Campingplatz ist keiner überlicher: Zelte gibt es hier nicht, wohl eher alte Zugwagons, die als Behausung dienen. Als wir schließlich den Ausgang des Campingplatzes erreichen, stehen wir wieder vor dem selben Problem: Wo geht es weiter und wo ist der rot-weiße Balken? Nun stehen wir vor der berühmt berüchtigten Kreuzung, die Straßen in zwei verschiedene Richtungen für uns bereithält. Ein paar 50 Meter entfernt liegt die zum Zeltplatz gehörende Information. Auf dem Weg dorthin kommt uns eine Frau mit Kinderwagen entgegen. Ich frage sie auf französisch, wie man von hier nach Saint Malo käme. Sie antwortet mir in etwas schleppenden Französisch mit deutschem Akzent. Also führe ich die Befragung auf Deutsch fort. Die deutsche Frau kann aber auch nur vage Vermutungen aussprechen und uns nicht wirklich weiterhelfen. Die jungen Mitarbeiter in der Information sind da schon hilfreicher. Und hier wird dann auch gleich mal Klartext gesprochen. Wenn wir auf dem schnellsten Weg nach Saint Malo wollen, müssen wir durch ein Gebiet, welches nur bei Ebbe durchlaufen werden kann. Bei Flut müsste man dieses Gebiet „weiträumig umlaufen“. Es ist nun schon wirklich spät (gegen 17 Uhr) und wie lange sollen wir denn nun noch unterwegs sein? Die zu Beginn noch schöne Wanderung wandelt sich nun langsam aber sicher zu einem Kampf mit der Zeit, den schwerer werdenden Rucksäcken, den trägen Füßen und unserer Lustlosigkeit. Aber der Gezeitenkalender ist uns wohl gesonnen und gibt uns preis, dass das besagte Stück Wattenmeer zu dieser Zeit vom Meerwasser freigegeben ist. Etwas frischeren Mutes gehen wir also weiter. Die Straße leicht bergauf, und gleich neben der Crêperie sollte es sein. Ja und schneller als gedacht sind wir auch wirklich da. Noch nach dem richtigen Indiz suchend kommen uns zwei sich zuvor unterhaltende Herren entgegen und bringen uns auf die richtige Spur. Ein letzter freundlich Blick in den Gezeitenkalender von einem der Beiden bestätigt die Info aus der Campingplatzinformation. Gott sei dank! Naja, nun stehen wir da: ein leeres Flußbecken trennt uns von der anderen etwa 50 Meter entfernt liegenden Festlandseite. Wir ziehen die Schuhe aus und los geht es. Aber: der Schlick, oder was auch immer, ist doch recht matschig und unsere Füße versinken für unser Empfinden zu weit im Schlamm, also legen wir lieber den Rückwärtsgang ein. Aber was sollen wir nun machen, denn einen rot-weißen Balken gibt es hier nicht. Aber da erblicken wir, etwas entfern, eine Art Steg, auf dem man vielleicht das Becken überqueren könnte, ohne durch den Schlick laufen zu müssen. Nun beginnen wir am Rand der leergelaufenen Bucht entlang zu rutschen. Der Weg besteht aus einem kleinen Hang und ist mit noch nassem Gras überwuchert. Wir haben also so unsere Not, auf dem nassen Gras nicht wegzurutschen. Ein Unheil kommt selten allein. Dem nassen Gras folgt ein Bächlein. Über dieses sind zwei ebenfalls nasse Bretter gelegt, welche als Steg dienen sollen. Trotz meiner Befürchtung wegrutschen zu können setze ich einen Fuß auf die Bretter. Der zweite tut es dem ersten gleich, doch da rutsche ich auch schon zur Seite. Völlig selbstlos rettet mich Katja aus dieser Misere und vor einem Sturz in den tosenden Bach. ;-) Nun gut, dann müssen wir halt wieder mal ein Fußschlammbad in Kauf nehmen und den Bach durchwaten. Die Füße werden danach mit Papiertaschentüchern in kleinen Wasserpfützen entkeimt. Aber der schwarze Schlamm ist doch recht hartnäckig. Schließlich erreichen wir auch die andere Seite des leeren Beckens und werden von unserem rot-weißen Balken empfangen. Geschafft!??? Wir hätten es uns eigentlich verdient nach diesen Strapazen. Ich bin es auf jeden Fall, aber Katja beweißt wieder mal ihre unweigerliche Nervenstärke und muss just in diesem Moment, nachdem wir nur knapp an der Verzweiflung vorbeibalanciert sind, ein Foto machen. Zu viel für mich. Noch immer sind wir weit von Saint Malo entfernt und es wird immer später. Aber Katja scheint das nicht wirklich zu stören. Andererseits muss dieser geschichtsträchtige Ort natürlich als Beweismittel auf ein Foto gebannt werden. Außerdem ergibt sich hier zum ersten mal auf unserer Reise der Blick auf „gestrandete“ Boote, die vollkommen regungslos auf dem trockenen Sand liegen und darauf warten, wieder vom Meereswasser umspült zu werden.
Aber unsere Wanderwegmarkierung ließ uns an diesem, sich langsam dem Ende nähernden Tag noch weiter Male im Stich. Teilweise völlig orientierungslos liefen wir von einer Ecke in die andere und wieder zurück, immer auf der Suche nach dem richtigen Weg. Der GR 34 war wahrscheinlich nur uns bekannt, denn die Leute die wir nach dem Weg fragten, konnten uns leidern nicht weiter helfen. Sichtlich genervt, gereizt und langsam am Ende unserer Kräfte, beschlossen wir, uns von nun an nicht mehr auf unsere doch recht grobe Wanderkarte zu verlassen, sondern nahmen den Stadtplan von St. Malo zu Hilfe, da wir uns glücklicherweise und immerhin schon in einem Vorort von St. Malo befanden, welcher auch auf der Karte eingezeichnet war. Das letzte Stück folgten unsere lahmen Füße nur noch der Straße. Das war noch mal ein hartes Stück Arbeit. Aber das Ziel war nah und neuer Enthusiasmus machte sich breit. Erschöpft und zu nichts mehr fähig erreichen wir die Jugendherberge. Endlich!
Am nächsten Morgen packen wir nach dem Frühstück unsere sieben Sachen und verlassen die Jugendherberge. Auf dem Plan steht noch einmal die Alt-Stadt von Saint-Malo. Aber nicht unbedingt mit den schweren Rucksäcken. Diese können wir aber nicht in der JH lassen. Das Unterstellen von Gepäck ist nur den Ankömmlingen vorbehalten. Unser Gepäck – ein wahrhafter Hinkelstein, mit dem wir noch öfter zu kämpfen haben werden. Zunächst fahren wir mit dem Bus zum Bahnhof um uns nach einem passenden Zug nach Pontorson zu erkundigen. Aber auch am Bahnhof können wir unser Gepäck nicht unterstellen. Also schleppen wir uns mit unseren Habseligkeiten (ist übrigens schönstes Wort 2004) zu den Stadtmauern. Noch ist es früh und die Straßen leer. Das macht es um einiges leichter. Wir suchen uns eine freie Bank, natürlich mit Blick zum Meer und gönnen uns noch etwas Ruhe. Da es um unseren Reiseproviant nicht sonderlich gutbestellt ist, ziehe ich noch mal los um uns etwas zu Essen zu besorgen, während Katja Wache hält. Dies verbinde ich gleich mit einem kleinen Spaziergang durch die engen Straßen und Gassen der alten Piratenstadt. Das nächste mal sollte man vielleicht etwas mehr Zeit und weniger Gepäck für St. Malo mitbringen. Mit zwei überteuerten, aber leckeren Sandwichs kehre ich schließlich zurück. Die Zeit bis zur Zugabfahrt überbrücken wir schließlich mit dem Schreiben von Postkarten, fotografieren, sowie dem Beobachten von Touristen und Möwen.
Gegen Mittag finden wir uns wieder am Bahnhof ein, wo uns unser Zug schon erwartet. In Dol-de-Bretagne müssen wir umsteigen, und unsere Reise setzt sich in einem kleinen, wackeligen, überfüllten Bummelzug fort. Für uns sind leider nur noch Stehplätze übriggeblieben – und die Rucksäcke saßen mehr oder weniger bequem auf unseren Rücken - die Zeit kann manchmal wirklich langsam vergehen. Nach einer viertel Stunde werden wir schließlich erlöst und erreichen den Miniaturbahnhof von Pontorson - das Tor zum Mont-Saint-Michel. Ein kleines verschlafenes Städtchen liegt vor uns, fast wie ausgestorben. In der Jugendherberge müssen wir dann leider hören, dass wir nur eine Nacht bleiben können und eine Reservierung für eine zweite Nacht nicht möglich sei, da alles ausgebucht ist. Das heißt, dass wir unsere Pläne wieder über den Haufen werfen und neu ordnen mussten. Da der Mont-Saint-Michel jeden Tag von einer riesigen Masse von Touristen bevölkert wird, ist es von Vorteil den heiligen Berg entweder früh am Morgen, oder sehr spät zu besuchen. Somit war der Besuch für den kommenden Morgen eingeplant. Da wir aber nur eine Nacht in der JH bleiben können, hieße das, dass wir unserer Gepäck wieder mitnehmen müssen. Am Bahnhof gab es zwar Schließfächer (ein kleiner Lichtblick), aber wie sollte es anders sein: Sie funktionierten nicht. Kurzerhand entschlossen wir uns darum, den Mont-Saint-Michel noch am selben Nachmittag zu erobern und uns in das Gewühl von Menschmassen zu stürzen. Vorher jedoch versuchten wir fast vergebens uns mit neuen Proviant einzudecken. Der Bedarf an Lebensmittelgeschäften scheint nicht allzu groß zu sein in Pontorson.
Mit dem Bus fuhren wir schließlich bis vor die Tore des Mont-Saint-Michel, wo uns schon ein riesiger Parkplatz mit Autos über Autos begrüßte – ein kleiner Vorgeschmack von dem, was uns noch erwartete. Schon auf der Hinfahrt beeindruckte uns die Erscheinung des Inselberges aus der Entfernung. Erhaben, voller Stolz und unerschütterlich – wenn man doch bedenkt, wie viele Menschfüßen tagtäglich auf ihm herumtrampeln. Und wir wollten es ihnen nun gleich tun – man möge es uns verzeihen. Es war wahrlich nicht leicht sich mit den Menschmassen durch die enge Gasse, die den Berg hinaufführte, vorwärts zu kommen. Ein Souvenirgeschäft reiht sich an das nächste. Restaurants und Hotels gibt es ebenfalls (welche schon die Straße von Pontorson zierten) – jedes freie Plätzchen Erde scheint zugebaut zu sein. Um den Berg herum erstreckte sich das Wattenmeer. Nur zu einer ganz bestimmten Zeit im Jahresverlauf wird der Mont-Saint-Michel noch von den Wellen des Meeres umspült. Die gute Aussicht dank des guten Wetters entschädigt uns für die Menschenmassen. Mit Ruhe und Besinnlichkeit kann man uns hier nicht dienen. Um auf den höchsten Aussichtspunkt zu gelangen, müssen wir ein nettes Sümmchen von 4,90 Euros pro Person zahlen, und das war schon der ermäßigte Preis. Aber wenn man schon einmal da ist ... Uns erwartete eine beeindruckende Abtei mit ihren verschiedenen Räumlichkeiten, welche früher unter anderem als Esszimmer, Meditationsraum, usw. dienten und einigen schönen Aussichten. Doch auch hier wurde die sonst für Kirchen übliche angenehme Ruhe durch Kindergeschrei und andere Geräusche gestört. Nach dem Besuch der Abtei traten wir unsere Heimfahrt an und kehrten zurück nach Pontorson. Dort müssen wir noch vor der Rückkehr zur JH nach den nächsten Jugendherbergen forschen. Am Ende stellt sich heraus, dass die Jugendherberge in Trebeurden nach wie vor ausgebucht ist, wir uns in Dinan mit einem gemischten Zimmer zufrieden müssten und die Jugendherberge am Cap Fréhel am Wochenende frei, ab Montag aber schon wieder belegt ist. Eventuell wäre am Freitag, also morgen, noch etwas frei, das ist aber noch nicht ganz sicher. Ein Rückruf am nächsten Morgen soll diesbezüglich Klarheit schaffen.
Nach einem schnellen Frühstück – schnell wahrscheinlich, weil das Weißbrot so trocken war und fast im Hals stecken blieb – machten wir uns gegen 8 Uhr auf dem weg zum Bahnhof, wo wir noch vor unserer Abfahrt ein paar Telefongespräche für unsere nächsten Nachtlager tätigen wollen. Die Telefonzelle am Bahnhof war an diesem Morgen gut besucht und so zogen sich die Telefonate doch etwas in die Länge. Was soll ich sagen, unsere Planroute wird mehr und mehr zu einer Wunschroute und Flexibilität wird von uns verlangt. Ursprünglich sollte es nach Saint Malo und Pontorson weiter nach Dinan gehen. Das wäre auch möglich, nur könnten wir im Anschluss nicht wie geplant weiter zum Cap Fréhel und später auch nicht nach Treubeurden, da beide ausgebucht wären zu dieser Zeit. Uns bleibt also nichts übrig, als alles über den Haufen zu werfen. Dinan kann auf uns warten, dort müssen wir auf der Rückfahrt eh wieder vorbei. An diesem Morgen ist uns das Glück zur Abwechslung mal hold und ich freu mich zu hören, dass noch zwei Betten am Cap Fréhel für den heutigen Freigag auf uns warten. Also fahren wir gleich weiter zum Cap Fréhel. Gegen 9 Uhr verlässt der Zug den kleinen, bescheidenen Bahnhof, genau wie das Städtchen Pontorson selbst. Viel zu kurz war die Zeit zum schauen und genießen. Eben nur ein kurzes Intermezzo. Pontorson wird nur einige, zu wenige Spuren in unseren Erinnerungen hinterlassen. Viel zu sehr steht es im Schatten des sagenhaften Mont-Saint-Michel und leitet unter der Ignoranz der Touristen, die es tagtäglich sozusagen links liegen lassen, auf ihrem Weg zum heiligen Berg.
Über Rennes erreichen wir gegen Mittag die Stadt Lamballe, bekannt durch ihre unter Napoleon ins Leben gerufene Pferdezucht. Von hier werden wir unsere Reise mit dem Bus weiter bis zum Cap Fréhel fortsetzen. Aber jetzt noch nicht. Da der Empfang der Jugendherberge erst gegen 18 Uhr öffnet, möchten wir die Zeit besser nutzen und noch etwas länger in Lamballe bleiben. Alles schön und gut, aber mit Gepäck? Besser wäre ohne. Da sticht mir natürlich das Gepäckaufbewahrungszeichen am Bahnhof sofort ins Auge. Nur, wo genau soll das sein? Nach längere Suche gebe ich auf und frage einfach am Schalter nach, mit ernüchterndem Resultat: Die Gepäckaufbewahrung gibt es nicht mehr, nur für Reisende, die mit einem der nächsten Züge fahren möchten. Dazu zählen wir leider nicht. Kurz entschlossen positioniere ich Katja vor dem Bahnhof mit dem Gepäck und mache mich auf in Richtung Tourist-Information. Nach einigen Umwegen (Stadtpläne lesen soll gekonnt sein) finde ich diese auch und werde nett empfangen. Die junge Frau ist sehr hilfsbereit und kann mir mit den Busabfahrtszeiten und unsere Haltestelle am Cap Fréhel weiterhelfen. Frischen Mutes mache ich mich wieder auf und besorge uns unterwegs noch ein leckeres Thunfisch-Baguette. Damit konnte ich dann Katja am Bahnhof, in ihre Lektüre vertieft, überraschen und die Laune allgemein steigern. Inzwischen ist es recht warm geworden und die Mittagssonne wacht über uns. Da unserer Bus zum Cap Fréhel erst gegen 16 Uhr abfährt beschließen wir, uns ein schattiges Plätzchen zu suchen. Wir werden auch schnell fündig und lassen uns in einem kleinen, nicht weitentfernten Park auf einer Bank nieder - Katja wieder in ihr Buch vertieft, und ich mit schlafen beschäftigt. So lässt es sich aushalten. Aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Uns ist wohl bekannt, dass wir die nächsten drei Nächte fernab der Zivilisation verbringen werden, also ohne große Einkaufsmöglichkeit. Folglich müssen wir uns noch vor der Abfahrt mit einem Mindestvorrat an Lebensmitteln versorgen. Leichter gesagt als getan. Um nicht wieder das Gepäck mitschleppen zu müssen, mache ich mich zunächst allein auf den Weg, um nach einem Supermarkt oder ähnlichem Ausschau zu halten – aber Fehlanzeige. Ich finde einfach nichts dergleichen. Ich laufe von der einen in die nächste Ecke, nur einen Lebensmittelladen kann ich einfach nicht finden. Leicht genervt irre ich durch die Stadt und weiß schon langsam nicht mehr so genau, wo ich eigentlich bin. Und da entdecke ich an der gegenüberliegenden Straßenecke einen kleinen Kiosk. Na endlich. Langsam wird es nämlich Zeit, denn der Bus fährt bald. Schnell husche ich zurück in den Park, den ich zwar nicht auf dem gleichen Weg, aber trotzdem überraschend wiedergefunden habe. Denn Geld hatte ich aus mir unerklärbaren Gründen nicht dabei. Mit unseren schweren Rucksäcken stürmen wir kurze Zeit später das kleine Lädchen und decken uns mit Nudeln, Ketchup, Käse, Wasser, Brot und Keksen ein. Das wäre also auch geschafft. Jetzt fix zum Bahnhof damit der Bus nicht ohne uns fährt. An der einsamen Haltestelle warten noch ein paar andere in der heißen Sonne auf den Bus. Und da kommt er auch schon um die Ecke. Ich kaufe zwei Tickets beim Busfahrer und frage ihn noch schnell, ob er die einzelnen Haltestellen durchgibt, denn von unserer Busfahrt nach Cancale wissen wir bereits, dass der Passagier selbst sehen muss, wann die richtige Haltestelle kommt. Und so oder ähnlich war auch die Antwort des Busfahrers. Na gut, wir werden das schon irgendwie hinbekommen. Aber jetzt liegt erst mal eine Stunde Busfahrt vor uns, dass heißt wir können uns erst mal ruhig in die bequemen Sitze fallen lassen. Von Zeit zu Zeit vergleiche ich die Haltestellen, an denen wir vorbeisausen, mit denen unseres Busfahrplanes. Viel schöner ist es aber, das Treiben in den einzelnen Orten, die wir durchqueren, zu beobachten. Zunächst sind das noch typische Touristenorte mit großen, gut gefüllten Stränden, von Souvenirläden gesäumte Straßen und zahlreichen Restaurants und Strandcafés. Aber zum Glück fahren wir weiter, und müssen nicht hier bleiben. Von Zeit zu Zeit hält der Bus und Leute steigen aus und ein. Es dauert nicht lange, da lichtet sich das Geschehen um uns herum und der Blick auf den Horizont wird frei. Vor uns liegt nun das Cap Fréhel. In der Ferne kann man schon den Leuchtturm vom Cap sehen. Links von uns schimmert das blaue Meerwasser im Sonnenschein. Nun wird es nicht mehr lange dauern. Noch mal schnell die Haltestelle abgleichen. Aber das ist nicht immer so einfach, vor allem weil man sich ständig konzentrieren muss, und ich eher schläfrig als wach bin. Ein Kilometer vor dem Cap fahren wir einen kleinen Bogen und fahren wieder vom Cap weg, auf der anderen Seite des Halbinselchens. Laut Busfahrplan müsste die Haltestelle eigentlich bald kommen, aber wann und wo? Da ertönt es vom Busfahrer: „Plévenon, Jugendherberge! Will hier jemand aussteigen?“ (so oder so ähnlich) Da bin ich beim Busfahrer doch nicht auf taube Ohren gestoßen, als ich ihn zu Beginn der Busfahrt nach den Haltestellen fragte. Natürlich, wir wollen hier aussteigen. Mehr oder weniger schnell sind die Rucksäcke aufgehuckelt und wir schwanken aus dem Bus. Und was sehen wir da? Eine lange Straße, von der aus kleinere Straßen irgendwohin abzweigen, etwas weiter weg ein Dörfchen, und sonst nichts! Doch, auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdecken wir einen Richtungsweiser für die Jugendherberge. Na wenigstens etwas, denn fragen könnte man hier keinen nach dem Weg. Die letzte Etappe für den heutigen Tag liegt nun vor uns. Einen Fuß vor den anderen laufen wir los und stellen alsbald fest, dass der Weg eher länger als kürzer ist, und die Rucksäcke werden irgendwie auch immer schwerer. Der Tag neigt sich langsam dem Ende und wir sind schon seit einigen Stunden auf den Beinen und nicht mehr ganz fit. Aber dieses letzte Stück schaffen wir jetzt auch noch. Die Straße führt an ein paar Häusern vorbei, von einer Jugendherberge ist aber nichts zu sehen, also geht’s weiter. Dort vorn kommt wieder eine kleine Kreuzung. Wieder ein Hinweisschild für die JH. Immerhin sind wir noch auf dem richtigen Weg. Und nach einigen Metern erreichen wir endlich das Grundstück der JH. Zunächst ein kleiner Parkplatz, dann der Innenhof mit den Gebäuden und der kleine Campingplatz. Wir haben es geschafft. Jetzt ist erst mal alles andere egal. Hinter uns liegt ein anstrengender Tag und jetzt haben wir uns etwas Ruhe verdient. Noch müssen wir etwas warten, da der Empfang erst um 18 Uhr aufmacht. Aber das macht nichts. Wir machen es uns inzwischen auf einer der Bänke bequem. Da macht es auch nichts, dass der Besitzer uns (und ein paar andere, die auch ein Nachtlager suchen) warten lässt und eine halbe Stunde zu spät kommt. Ein Autounfall war Schuld für die Verspätung. Später nehmen wir unser Zimmer in Empfang: acht Betten verteilt auf zwei Etagen. Die Duschen und Toiletten sind ein paar Schritte über den Hof entfernt, genau wie die Gemeinschaftsküche. Wir sind ganz zufrieden. Dieses Glück soll vervollkommnet werden durch das erste warme, selbst gekochte Essen seit unserer Abreise. Die Küche ist eher etwas spartanisch eingerichtet: mit zusammengesammelten Möbeln, alten Töpfen und einem Gasherd.
Kurze Zeit später sitzen wir im Freien und lassen uns unsere Nudeln mit Tuben-Ketchup schmecken. Um uns herum spazieren Hühner mit verschiedenstem Gefieder und nicht weitentfernt auf einer Koppel grasen Schafe ( oder waren es doch Ziegen?). Außerdem sind noch ein paar andere Gäste da, vor allem Familien. Am nächsten Morgen muss ich feststellen, dass ich besonders gut geschlafen habe. Das Frühstück steht um acht bereit: Baguette mit Butter und Marmelade und Tee. Frisch gestärkt geht es nun los in Richtung Cap Fréhel. Nach etwa einer Stunde Straßenwanderung und Heidelandschaftbegutachtung erreichen wir das Cap Fréhel mitsamt seinem phare, dem Leuchtturm. Nach diesen ersten Anstrengungen lassen wir uns auf einer Bank mit Blick auf die Küste nieder. Unser Glück dauert leider nicht allzu lange und schon bald kommt eine kleine, etwas moppselige und hergeputzte Frau und weist uns darauf hin, dass die Bank umgedreht werden müsste und nicht so stehen bleiben darf. Unsere Fragezeichen lösten sich etwas später auf, als wir feststellen, dass es sich hier um die Klofrau und wahrscheinlich Ordnungshüterin höchst persönlich vom Cap Fréhel handelt, die sehr gewissenhaft ihren Pflichten nachgeht. Da der Blick von der Bank von nun an auf den sich füllenden Parkplatz zeigt und an Reiz verloren hat, rütteln wir uns auf und nehmen Kurs auf das Kap. Hier bestaunen wir nun die vielgepriesene Steilküste, die man schon oft auf Bildern abgedruckt gesehen hat.
Morgenstund´ hat Gold im Mund und so wandern wir munter weiter entlang der Küste in westliche Richtung und lassen das Cap Fréhel hinter uns zurück. Unser Weg führt uns über schmale Schlängelwege, gesäumt von blühender Heide. Der dunkle Boden unter unseren Füßen ist trocken und staubig und bei jedem Schritt entsteht eine kleine Staubwolke, welche sich auf unseren Füßen ablegt und diesen einen unerwünschten Mantel aus Schmutz verpasst. Aber wie wir feststellen, hält unser Wanderweg noch viel mehr für uns bereit: immer wieder kreuzen kleine Flitzer, im Volksmund auch Eidechsen genannt J, unseren Weg und setzen uns in Erstaunen. Über uns strahlt die Sonne und ein blauer Himmel überwacht unsere Wanderung. Nach zwei Stunden erblicken wir schließlich etwas entfernt einen Strand und schnell wird beschlossen: wir gehen baden. Am oberen Ende des Strandes, breiten wir unsere Decke aus und lassen uns nieder. Die Badesachen haben wir dabei, aber noch nicht an. Umständlich (wie wir sind), und mit dem Handtuch um die Hüften wechseln sich Wanderklamotten und Badeoutfit ab. Aufmerksame Blicke findet man schließlich überall! Da wir Geld und den großen Fotoapparat dabei haben, ist es wohl besser wenn immer einer auf die Sachen aufpasst, während der eine sich in die Fluten stürzt. Während Katja sich schon im kühlen Nass aalt, verabschiedet sich meine Vernunft für ein kurzes Nickerchen in der heißen Sonne. Ich nutze die Gunst der Stunde und mach mich auf, Katja Gesellschaft zu leisten. Gemeinsam kämpfen wir gegen die Welt und testen das Salzwasser. Nach dem kühlen Bad machen wir es uns wieder in der warmen Sonne bequem. Mein Regenschirm wird kurzerhand zum Sonnenschirm umfunktioniert und schütz von nun an meinen Kopf vor den gefährlich heißen Strahlen der Sonne.
Zwei Stunden sind vorüber und wir machen uns wieder auf den Weg. Der Sand ist heiß und der Aufstieg zum Wanderweg etwas beschwerlich, da der Sand, eben wie Sand unter den Füßen ist. Oben angekommen schießen wir noch ein letztes Bild, und stellen überrascht fest, dass der Strand aufgrund der Ebbe um einiges breiter geworden ist. Etwas träge treten wir den Rückweg an. Wieder begegnen uns kleine Flitzer, und wieder dauert es nicht länger, bis unsere Füße wieder kohlrabenschwarz sind. Auf unserem Rückweg finden wir einige neue Badestellen, die das Meerwasser durch die Ebbe freigegeben hat. Über kleine, beschwerlich, kaum ersichtliche Schleichwege gelangt man zu fast waagerechten Felswänden, auf denen sich einzelne Sonnenanbeter niedergelassen haben.
Schließlich erreichen wir wieder den Leuchtturm. Der Tag ist noch jung und wir haben noch keine Lust, zur Jugendherberge zurückzukehren. Also machen lassen wir uns auf der Bank nieder, die uns am Morgen die Klofrau sozusagen unter dem Hintern weggezogen hat. Nichtsdestotrotz ist es für uns ein Genuß, die Klofrau bei ihrem verantwortungsvollen Aufgabe zu beobachten. Bevor man die Treppe zu den Toiletten hinabsteigen darf, muss erst ein kleiner Obolus entrichtet werden. Da gibt es kein Partout. Notfalls steht Madame auch auf und läuft den nach Erleichterung Suchenden hinterher, um diese über ihre Pflichten aufzuklären. Später gesellt sich noch die Frau des Leuchtturmwärters dazu, und gemeinsam wird nun getratscht und geklatscht. Doch es gibt noch mehr zu sehen. Wie zum Beispiel den kleinen Pfiffie, der von Frauchen vor dem Auto sein Dosenfutter in einer extra Schale serviert bekommt. Etwas belustigt bestaunen wir auch die Leute, welche auf dem Parkplatz stehende Trikes bewundern, als hätten sie diese noch nie gesehen, war wahrscheinlich auch so. Ach das ist schon schön, wenn man so viel Zeit hat, wie man möchte.
Nun können wir uns aber doch aufrappen und nehmen die letzte Etappe Richtung Jugendherberge in Angriff. Unser heutiges Abendessen ist wieder etwas spärlicher: Brot, Käse und Äpfel. Der Abend ist warm und es ist noch lange hell. Die Zeit nutzen wir um an einem der Tische Postkarten zu schreiben.
Der nächste Morgen hingegen empfängt uns mit einem wolkenverhangenen Himmel und den ein oder anderen Regentropfen. Wir wollten heute eigentlich zu Fort de la Latte. Aber wir beschließen noch etwas zu warten. Unser üblicher Zeitvertreib ist wieder das Uno-Spiel. Gegen um zehn lässt der Regen etwas nach und wir machen uns auf den Weg. Zunächst laufen wir wieder nur Straße, später aber führt uns unser Wanderweg auch durch ein Stück Wald, was eher ungewohnt ist. Denn bisher waren wir immer nur von knöchelhoher Heide umgeben. Schon von weitem erkennt man die Festung am Horizont. Der stolze Preis für die Besichtigung der Festung jedoch war uns vorher noch unbekannt. Aber nun sind wir schon mal hier, da können wir auch die vier Euro aufbringen. Die Ruine selbst hält nicht allzuviel Spektakuläres für uns bereit, bis auf einen Aussichtspunkt, den man mühsam auf allen Vieren erklettern muss, einen kleine Gruppe mittelalterlich gekleideter Gesellen, die verschieden Tätigkeiten nachgehen, wie Kanonenkugeln abschießen, Handwerk usw.
... Fortsetzung folgt ... wann genau, steht noch in den Sternen ;-)
suzannne - 13. Feb, 13:01

