Paris

ABENTEUER PARIS

1. Tag
Donnerstag früh, 10.04.03 um zirka 5.45 Uhr verabschiede ich mich von meiner Mitbewohnerin und muss leider feststellen, dass meine Jacke, die ich erst vor einigen Tagen erworben hatte, einen langen Schlitz im Innenfutter hat. Nichtsdestotrotz ziehe ich sie an und hoffe, dass es nicht noch schlimmer wird.

Ich nehme den Bus bis zum Bahnhof und versuche mein bevorstehendes Abenteuer zu realisieren, was mir immer noch schwer fällt. Die Nordwestbahn bringt mich bis nach Osnabrück, von wo aus ich weiter mit dem IC nach Köln fahre. Die meiste Zeit der Zugfahrt habe ich geschlafen, beziehungsweise vor mich hin gedöst.

In Köln habe ich mich mit meiner Schwestergetroffen. Gemeinsam fahren wir dann weiter mit dem Flughafenzubringer zum Flughafen Köln /Bonn. Bis auf den Metalldetektor der meinen Gürtel bemängelt, können wir ohne größere Probleme einchecken und haben schließlich mit einer geringen Verzögerung ab. Ich hab den Platz am Fenster, relativ weit vorn. Die Einweisung der Stewardess bezüglich der Notausgänge und der Schutzmaßnahmen erscheint mir durch deren künstlich aufgesetzte Miene recht lächerlich. Soviel dazu.

Die ganze Zeit begleitet mich ein leichtes Unwohlsein im Kopf und das Genörgel und Rumgezappel des fast 3jährigen auf dem Platz hinter mir. Die Fürsorge seiner Mutter war nicht minder schlimm.

In Paris gelandet, suchen wir nach dem Busbahnhof. Schließlich finden wir ihn auch, ein paar 100 Meter entfernt, nicht aber den Durchblick im Busverkehrsnetz. Ständige Vergleiche mit meinem Stadtplan und das Entziffern von Abfahrtsplänen nützen alles nichts. Schließlich sehe ich mich gezwungen mich mit meinen für diesen Fall nicht sehr nützlichen Französischkenntnissen durchzufragen. Nach mehreren Anläufen und dem Ticketkauf fahren wir nun mit der Linie 350 Richtung Gare de l’Est – Eine Busfahrt die mir schier unendlich erscheint. Der Bus wird immer voller, die Luft stickiger und mir wird immer schlechter. Eingepfercht sitzen wir, umgeben von Franzosen. Nach zirka 45 Minuten erreichen wir schließlich Gare de l’Est. Von hier wollen wir mit der Metro weiter, aber ohne Ticket kommt man nicht mal bis zu den Bahnsteigen. Und so begann unser kleines Abenteuer in Paris.

... das Abenteuer geht weiter

Nach dem wir erfolgreich zwei Tickets für die Metro gekauft hatten, die man benötigt um die Absperrungen in den Metrostationen zu überwinden, machten wir unsere erste Fahrt mit der Pariser Metro.
Es war wahrscheinlich nicht zu übersehen, dass hier zwei Nicht-Pariser, mit Reisetasche und Rucksack und unschuldiger Landei-Miene unterwegs waren. Ohne weitere Probleme sind wir dann nach einmaligem Umsteigen an unserer Ziel-Metro-Station angekommen: Ledru Rollin – diesen Namen habe ich bis heute nicht vergessen, weil er während unseres Aufenthalts in Paris immer wieder Dreh- und Angelpunkt war. Ledru Rollin bedeutete also so viel wie: "Wir haben es fast geschafft und haben uns nicht in den Wirren der Großstadt Paris verirrt".

Inzwischen begann es schon dunkel zu werden, beziehungsweise umgab uns die Pariser Nacht bereits und wir machten uns geradewegs auf den Weg zu unserer Zufluchtsstätte für die nächsten Tage - Auberge de Jeunesse Internationale de Paris - Internationale Jugendherberge Paris.
Dort kamen wir auch nach etwa 10 Minuten Fußmarsch an. Und wieder einmal musste ich feststellen, dass meine Französischkenntnisse nicht ausreichend waren um unser Anliegen kund zu tun, beziehungsweise war der Rezeptzionist zu ungeduldig und stieg darum gleich auf Englisch um. Im kleinen Eingangsbereich saßen andere Bewohner der Jugendherberge an den Tischen und aßen gerade und unterhielten sich – es glich einer Horde aufgewühlter Kinder. Und überhaupt war ich im ersten Augenblick doch etwas enttäuscht von unsere JH. Eher unscheinbar liegt das Gebäude, einpfercht von anderen Häusern, in der kleinen Seitenstraße Trousseau. Als wir es dann irgendwie geschafft hatten unsere Rechnung zu bezahlen und auch die Funktionsweise der JH einigermaßen verstanden hatten machten wir uns auf den Weg zu unserer "Suite". Entlang einer schmalen Treppe schlängelten wir uns das Gebäude hinauf und fanden unser Nachtlager schließlich am Ende eines Ganges, gleich neben dem Klo – wie praktisch. Da war es also - unser Zimmer mit drei Betten, einer Garderobe, zwei Waschbecken und einem Fenster zum Innenhof.
Unsere Freude darüber, dass wir ein Zimmer für uns alleine haben, hielt nicht lange an, weil bald auch das dritte Bett eine Übernachterin fand. Eine Asiatin aus Malaysia – wie wir später herausfanden.
So neigte sich der Abend auch langsam seinem Ende. Viele Erinnerungen an diese Nacht und daran, ob ich gut geschlafen habe oder nicht, habe ich nicht mehr. In top-Form war ich am nächsten Morgen auf jeden Fall nicht unbedingt. Das mag wohl auch mit dem bevorstehenden Vorstellungsgespräch zusammengehangen haben.

Ca va?!

Vive la France!

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